Natter

 

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Die Bachem "Natter" war  Ende des zweiten Weltkriegs eine der vielen "Wunderwaffen", die im letzten Moment noch das Ruder herumreißen sollten.

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In der Realität kam sie niemals zum Einsatz - das hätte die Zahl der Toten auf beiden Seiten auch nur vergrößert. Trotzdem gehört ihr ein Platz in der Technikgeschichte. Mit ihr wurde nämlich der erste bemannte Raketenstart überhaupt durchgeführt.  Der Pilot kam dabei allerdings ums Leben.

Hier gibt es mehr Infos über die Natter:

http://www.raumfahrtgeschichte.de/space1/peenemuende6.htm
http://mitglied.lycos.de/thomas_genth/id78.htm
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Waffen/Ba349.htm
http://www.kheichhorn.de/html/body_natter.html
Sollten sich auf diesen Seiten rechtsradikale Inhalte finden (ist ja bei dieser Thematik nie so ganz auszuschließen), dann möchte ich mich davon ausdrücklich distanzieren!
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Die Geschichte der Natter regte meine Phantasie an. Wie hätte denn so ein Einsatz ausgesehen, wenn er statt gefunden hätte. Etwa so, denke ich:

(Im Zeitalter des wiedererstarkenden Faschismus möchte ich noch betonen, dass ich diese Geschichte ganz unpolitisch verstanden haben will!)

Die Natter beißt zu

22. April 1945, irgendwo westlich von Berlin. Der Himmel ist voll von Kondensstreifen mit kleinen Kreuzen an ihrer Spitze - Hunderte von Fliegenden Festungen im Anflug auf die Hauptstadt.

Oberfeldwebel Siebert klettert die Leiter am Startturm hoch. Zwei "Soldaten", noch nicht einmal siebzehn Jahre alt, helfen ihm, in den Führersitz der "Natter" zu klettern, die am Turm hängt.

Die Jungs schließen die Haube, turnen die Leiter hinunter und bringen sich in Sicherheit. Siebert schaltet die Spannungsversorgung ein und wirf einen kurzen Blick auf die spärliche Instrumentierung. Die "Natter" braucht eigentlich keine Instrumente, keinen Funk, nichts. Das Ziel ist direkt über ihm, und der Flug wird kurz sein.

Der Oberfeldwebel hofft, dass er nicht sehr kurz sein wird. Er setzt sich noch einmal zurecht, holt tief Luft und betätigt die Zündung.

Die vier Booster, links und rechts am Heck montiert, und das Haupttriebwerk zünden gleichzeitig. Der Startturm verschwindet in einer Rauchwolke, aus der die "Natter" herausschießt wie Phönix aus der Asche.

Auf einer Feuersäule reitet Siebert in den Himmel.

Bis die Booster ausgebrannt sind, wird die Maschine automatisch gesteuert, wofür er auch sehr dankbar ist. Der klapprige Holzrumpf vibriert so stark, dass die Instrumente vor seinen Augen verschwimmen, der Andruck quetscht ihn in den unbequemen Sitz, die Triebwerke röhren infernalisch laut.

In zweitausend Metern Höhe haben die Booster Brennschluss und werden abgetrennt. Der Fahrtmesser zeigt fast 700 km/h an.

Der Andruck nimmt ab, und der Oberfeldwebel greift den Steuerknüppel fester und drückt an. Aus dem senkrechten Aufstieg wird ein steiler Steigflug. Die 6000 m Höhendifferenz bis zu den 8000 m hoch fliegenden Boeings würde die Natter im senkrechten Flug in weniger als einer halben Minute zurücklegen!

Die Begleitjäger fliegen über den Bombern, um sich aus der Überhöhung auf angreifende Maschinen stürzen zu können. Eine gute Taktik, um normale Jagdflugzeuge abzuwehren....

Trotz der noch großen Entfernung sucht sich Siebert bereits ein Ziel aus, denn viel Zeit hat er nicht. Ins Zentrum des primitiven Grobvisiers rückt ein kleines, silbern schimmerndes Kreuz, das schnell größer wird.

Siebert fliegt die "Flying Fortress" von hinten unten an. Es ist eine B 17 G, die unten im Rumpf eine MG-Kanzel hat, um genau solche Angriffe abzuwehren. Aber der Schütze feuert nicht. Vielleicht sieht er die winzige Natter nicht, die genau auf ihn zu fliegt, vielleicht ist ihm auch einfach nicht klar, dass diese Rauchfahne, die da auf ihn zuschießt, eine tödliche Bedrohung darstellt. Getroffen hätte er wohl sowieso nicht.

Der Bomber füllt den inneren Ring des Visier aus, und Siebert drückt auf den Feuerknopf. Das Ziel verschwindet hinter einer Rauchwolke, als kurz hintereinander vierundzwanzig Raketen aus der stumpfen Nase  abgefeuert werden. Eigenartig langsam sehen sie aus, denn sehr viel schneller als die "Natter" selbst sind sie auch nicht.

Vor lauter Rauch kann der Pilot das Ziel nicht mehr sehen, und er drückt die Nase nach unten, um nicht in die andere Maschine hinein zu rasen. Er sieht noch etwas aufblitzen über sich, dann ist er an der Boeing schon vorbei. Die "Natter" ist jetzt fast 900 km/h schnell, die Geschwindigkeitsdifferenz zu der Viermot beträgt also etwa 500 Stundenkilometer.

Drei der vierundzwanzig Raketen treffen die "Flying Fortress". Die erste erwischt das rechte Flächenende und zerfetzt das Querruder, die zweite schlägt kurz vor dem Leitwerk in den Rumpf und reißt beinahe das Heck ab, die dritte trifft die linke Tragflächenwurzel und damit einen der Kraftstofftanks.

Ein gelber Feuerball fetzt die linke Fläche ab, die Maschine kippt über den rechten Flügel ab und trudelt in die Tiefe. Nach dem dritten Überschlag reißt sich eine Bombe los, und die Boeing wird in tausend Fetzten zerrissen.

Von all dem hat Siebert nichts mitbekommen. Kurz nach dem Abfeuern der Raketen geht ein Ruck durch die Maschine. Brennschluss! Nach drei Minuten Flug hat die Natter ihren Job erledigt, und der Treibstoff ist verbraucht.

"Wahnsinn!", denkt Siebert. "Das Ding funktioniert ja! Jetzt muss ich nur noch wieder runterkommen."

Er drückt den Knüppel noch weiter nach vorne und geht in den Sinkflug über. Trotzdem sinkt die Geschwindigkeit rapide - mit den vierundzwanzig jetzt leeren Raketenabschussrohren im Bug ist das Flugzeug eine aerodynamische Katastrophe.

Aber es soll ja auch gar nicht mehr fliegen können, eine Landung ist nicht vorgesehen.

Der Oberfeldwebel steuert eine große Kurve, um wenigstens in die Nähe des Startplatzes zu kommen. Als der Höhenmesser noch 2000 m anzeigt, betätigt er den Hebel, den er ironisch als "Landeautomatik" bezeichnet.

Ein paar kleine Sprengladungen krachen, und der primitive Holzrumpf fällt auseinander. Nur die Rumpfspitze mit dem Piloten und das Triebwerk bleiben übrig, zwei Fallschirme entfalten sich.

Da der Fallschirm hinter der Kabine im Rumpf steckte, hängt der Bug mit der Spitze nach unten am Schirm, eine sehr unangenehme Lage für den Piloten.

Er blickt sich um - und erstarrt! Von links sieht er zwei "Gabelschwanzteufel", Lockheed Lightning P-38 J, auf sich zu schießen. Schon blitzt es am Bug der Maschinen auf. Die Leuchtspurgaben gehen über die Natter hinweg und zerfetzen den Fallschirm.

Mit aufgerissenen Augen sieht Siebert den Boden auf sich zuschießen. Kurz vor dem Aufprall schlägt er die Hände vor das Gesicht...

Das Triebwerk landet unbeschädigt.