Warum Moppedfahren

 

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Motorradfahren - was soll das?

Motorradfahren ist gefährlich: Strafzettel, Führerscheinverlust, Rheuma, gebrochene Knochen, Querschnittlähmung, Tod - alles möglich.

Motorradfahren ist Umweltverschmutzung: Ich produziere überflüssigen Lärm und Abgase.

Motorradfahren ist teuer: In mein Motorrad habe ich in den letzten vier oder fünf Jahren fünfzehntausend Mark gesteckt.

Dafür hätte ich z. B. folgendes tun können:

bulletüber vier Jahre lang jeden Tag ins Kino gehen
bulletungefähr 880 Portionen "Tagliatelle Carissima" essen (lecker!)
bulletfünfzehn Mal eine Woche in den Urlaub fliegen
bulletGreenpeace mit einer Spende erfreuen

Die normalen Unterhaltungskosten wie Sprit, Steuern, Versicherung, Reifen usw. sind dabei noch gar nicht berücksichtigt!

Lohnt sich das denn alles?
Warum tue ich das?

Die Antwort auf die erste Frage ist ein uneingeschränktes JA!
Die zweite Frage ist allerdings gar nicht so leicht zu beantworten.

Dazu ein paar Texte anderer Autoren

Wenn es im Frühjahr ein paar Unfälle gegeben hat, ist die "Bild" mit der Antwort schnell bei der Hand: Idioten wie wir finden hirnloses Rasen halt geil - fertig.

Ganz so einfach ist es ja nun doch nicht. Die Faszination des Motorradfahrens ist nicht mit ein paar Worten zu erklären.

Es gibt sehr viele unterschiedliche Gründe dafür:

  1. Kurvenfahren
  2. Ein ganz besonders schwierig zu erklärendes Kapitel.

  3. Schnell sein
  4. Das bedarf ja kaum einer Erklärung, jeder hat das schon einmal gespürt, beim Laufen, Radfahren, Schlitten fahren, Auto fahren. Schnell unterwegs zu sein hat was.
    Wer statt dessen Angst verspürt, dem kann man es auch nur schlecht erklären.
    Auf dem Motorrad ist diese Empfindung besonders intensiv: Erst einmal ist man schlicht wirklich schneller als mit den meisten anderen Vehikeln. Und man spürt es auch: Den Fahrtwind, und auch die vorbei sausende Landschaft sieht viel "schneller" aus, als wenn man in einer Blechkiste sitzt.

  5. Freiheit
  6. Wenn man Motorrad fährt, fühlt man sich frei. Das ist so, Punkt.
    Warum? Ich könnte eine endlose Liste von Abhängigkeiten aufzählen, um zu zeigen, dass diese Freiheit eine Illusion ist.

    Aber ist Freiheit nicht immer eine Illusion? Ob man sich frei fühlt, hängt nicht von äußeren Umständen ab, sondern von der inneren Einstellung 
    (Natürlich ist es schwierig, eine innere Einstellung zu finden, mit der man sich auch in einem Foltergefängnis frei fühlt).

    Wenn ich Motorrad fahre, vergesse ich meine Alltagsorgen, niemand schreibt mir vor, wohin ich zu fahren habe - das macht es aus. Bei allzu vielen Verbotsschildern, Staus und ähnlichem verschwindet dieses Gefühl von Freiheit auch schnell, und man hockt auf der Karre und muffelt vor sich hin.

  7. Fahrkönnen, Selbsterfahrung     - kommt noch
  8. Technik
  9. Wenn man einen Draht dazu hat, macht Technik Spaß. Im Gegensatz zu hochintegrierter Elektronik wie in Computern ist Motorradtechnik - vor allem bei älteren Maschinen - einigermaßen überschaubar.

    Wer will, kann mit vertretbarem Aufwand dahinter kommen, warum ein Motorrad fährt, und dann auch selbst dafür sorgen, dass es auch so bleibt.

    Zitieren wir doch einmal Robert M. Pirsig:

    Das Motorrad selbst weckt ähnliche Gefühle. Mit über 27 000 Meilen auf dem Buckel ist es fast schon ein Veteran, ein Oldtimer, obwohl man jede Menge noch ältere herumfahren sieht. Aber im Lauf der Jahre, und ich glaube, die meisten Motorradfahrer würden das bestätigen, entdeckt man an einer bestimmten Maschine Eigenschaften, die nur bei dieser einen Maschine und keiner anderen zu finden sind.

    Ein Freund von mir, der genau dieselbe Maschine hat wie ich, dieselbe Marke, dasselbe Modell und sogar dasselbe Baujahr, brachte sie einmal zum Reparieren rüber, und als ich hinterher eine Probefahrt machte, konnte ich kaum glauben, dass sie vor Jahren aus demselben Werk gekommen war. Man merkte, dass sie vor langer Zeit ihre eigenen charakteristischen Fahreigenschaften, ihren eigenen Klang angenommen hatte, alles ganz anders als bei meiner Maschine. Auch nicht schlechter, aber anders.

    Ich glaube, man könnte da von Charakter sprechen. Jede Maschine hat ihren persönlichen, einmaligen Charakter, den man wahrscheinlich als die intuitive Summe all dessen definieren könnte, was man über sie weiß und empfindet. Dieser Charakter verändert sich laufend, meistens zum Schlechteren, manchmal aber auch ganz unverhofft zum Besseren, und dieser Charakter ist der eigentliche Gegenstand der Motorradwartung.

    Die Neuen sind zunächst gutaussehende Fremde, und je nachdem, wie man sie behandelt, entarten sie entweder in kürzester Zeit zu notorischen Versagern oder sogar Krüppeln, oder sie verwandeln sich in gesunde, gutmütige, treue Freunde.

Die folgenden Kapitel habe ich mir bisher nur vorgenommenen, aber vielleicht willst Du ja auch etwas dazu sagen - schick mir eine Mail

  1. Schönheit - Technik und Landschaft
  2. Miteinander
  3. Geschichte
  4. Selbstdarstellung
  5. Macht

    Na ja, das ist ja kein Kapitel, auf das man besonders stolz sein kann. 
    Aber mal ehrlich: Wenn man gerade einen bummelnden Dosenkutscher mit einem kurzen Dreh am Gasgriff versägt hat, dann bildet man sich doch zumindest für einen kurzen Moment ein, der Bessere zu sein.
    Ist nicht nett, fühlt sich aber trotzdem gut an.
    Manchmal glaube ich, einige Leute fahren nur deswegen Motorrad...

Ich habe mich mal umgehört und ein paar Texte zusammengesucht:

Aus dem Buch "Die obere Hälfte des Motorrads" von Bernt Spiegel (Motorbuch Verlag, ISBN 3-613-01995-7); mit freundlicher Genehmigung des Autors. 
Dieses Buch sollte im Schrank jedes Motorradfahrers mit einem IQ über 95 stehen, finde ich. 
Du glaubst, Du weißt über Motorradfahren Bescheid, bloß weil Du vielleicht schon zwanzig Jahre fährst? Du irrst Dich!

"Kurvenfahren" von Christian

Eric erklärt uns, was Motorradfahrer und Ratten so gemeinsam haben.

Uwe sieht das mit dem Kurvenfahren so

Ein Text  von Mark C. Taylor u. Jose Marquez  aus dem Buch "The Art of the Motorcycle", das ich hiermit Liebhabern klassischer Motorräder wärmstens empfehlen möchte.© Guggenheim / Hartje ISBN 3-7757-0810-3

Hier gibt es noch mehr dazu.